Inselhüpfen in Süddalmatien

Mi, 20. Mai 2009

Wegen schlechten Stauprognosen haben wir uns beim Abendessen spontan entschlossen, bereits heute loszufahren. Kurzerhand packen wir alle Sachen, laden die Fahrräder auf und starten bereits um 21.30 Uhr in Richtung Osten. Durch den neu eröffneten Üetlibergtunnel geht’s dann via Feldkirch, Arlbergtunnel, Innsbruck und Brenner bis nach Sterzing. Hier finden wir gleich neben der Autobahn ein Motel, wo wir um 02.00 Uhr am Automaten einchecken können.

Do, 21. Mai 2009

Nach dem Frühstück fahren wir um 10.00 Uhr bereits weiter über die Landstrasse von Brixen bis nach Spittal, wo wir einen kurzen Stopp einlegen bei Kaffee und Kuchen. Wir melden uns bei Helmut und erreichen dann Klagenfurt bereits gegen 14.00 Uhr, wo wir von Familie Prokop (Helmut, Babsi, Pia und Florian) sehr herzlich empfangen werden. Zum Abendessen gesellt sich dann auch Gottfried dazu. Zusammen schwelgen wir in Erinnerungen von der letzten Inselhüpfen-Tour in der Kvarner Bucht.

Fr, 22. Mai 2009

Hafenpromenade in Trogir
Nach dem ausgiebigen Frühstück radeln wir die kurze Strecke zum Wörthersee und geniessen dort ein kühles Bad, bevor wir einen kurzen Rundgang durch Klagenfurt machen. Zum Abschied erhalten wir von Helmut noch Tipps zur Weiterfahrt nach Kroatien. Um 13.00 Uhr verlassen wir Klagenfurt in Richtung Ljubljana. In Novo Mesto verlassen wir die Autobahn und fahren eine Abkürzung nach Karlovac. Hier im Landesinnern zeigt die Temperatur im Auto 40 Grad an. Den Rest der Reise fahren wir wieder über die Autobahn und erreichen Trogir gegen 19.30 Uhr, wo wir im Hotel Bavaria übernachten. Spät abends essen wir eine herrliche Fischplatte, sitzen auf der Terrasse und geniessen die immer noch warmen Temperaturen.

Unser Schiff

Sa, 23. Mai 2009

Nach dem Frühstück geht’s zum Baden an den Strand – das Wasser ist bereits herrlich angenehm und so klar und sauber wie wir uns dies von Kroatien gewohnt sind. Gegen 11.00 Uhr begeben wir uns zum Hafen und schiffen auf der Kapetan Jure ein. Hier lernen wir die Schiffscrew (Kapitän Anton, Kellner Nicola, Koch Vicko und die beiden Matrosen Mate und Miro) sowie die beiden Reisebegleiter (Lars für die Mountainbiker und Drazen für die Trekkingbiker) kennen. Die Gäste kommen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Australien und den USA.

Unser Schiff Um 13.00 Uhr legen wir ab und schippern nach Split, wo wir die erste kurze Biketour (20 km / 200 hm) unternehmen und die Hackordnung für die kommenden Touren festgelegt wird. Wir umrunden den Hafen und fahren der Küste entlang bis zur Spitze der Halbinsel, von wo es dann zum Marjan Hügel hochgeht. Von dort oben hat man eine tolle Aussicht über Split. Zurück im Zentrum haben wir kurz Zeit, uns im alten Teil von Split umzusehen und ein Eis zu essen. Bald verlassen wir Split und fahren nach Omis, wo wir die erste Nacht an Bord verbringen.

Aussicht auf Cetina

So, 24. Mai 2009

Die erste grössere Biketour (43 km / 500 hm) findet auf dem Festland statt und führt uns von Omis durchs Cetina Tal über mehrheitlich asphaltierte Strassen mit einigen Steigungen bis nach Kostanje. Hier möchten wir gerne einen Kaffeestopp einlegen, doch leider hat das einzige Restaurant gerade keinen Strom. Die Getränke sind zum Glück aber noch kalt genug, um uns etwas Kühlung zu verschaffen. Da wir gerade zum Ende der Sonntagspredigt hier Rast machen, müssen wir uns mit der Dorfbevölkerung um die wenigen Sitzgelegenheiten schlagen. Das heisst, nur mit den Männern, da die einheimischen Frauen nach dem Besuch der Kirche offensichtlich nicht an die Kaffeebar dürfen. Den zweiten Teil der Tour absolvieren wir bei ca. 35 Grad auf einem leicht zu fahrenden Schotterweg mit diversen Steigungen und erreichen Gata mit einer grandiosen Aussicht herunter aufs Cetina Tal und den Hafen von Omis. Die steile und kurvenreiche Abfahrt nach Omis ist dann nur viel zu schnell wieder vorbei.

Anschliessend beginnen wir die kurze Überfahrt zur Insel Brac, wo wir vor der Küste ankern und einen Badestopp in einer Bucht vor Postira einlegen. Abends erreichen wir den Hafen von Pucisca, wo wir auch übernachten.

Mo, 25. Mai 2009

Mensch ist das leicht! Heute steht uns die Bergetappe (75 km / 1400 hm) bevor. Wir besuchen den höchsten Inselpunkt der Adria auf dem Berg Vidova gora mit knapp 800 müM. Um 06.00 Uhr früh starten wir ohne Frühstück, dafür mit kühlen Temperaturen unsere Biketour. Zuerst geht’s relativ flach der Küste entlang über Asphalt und Singletrails nach Postira, wo wir am Vortag unseren Badestopp hatten. In Postira gibt’s dann endlich Kaffee, bevor wir die ersten Steigungen auf Asphalt und Schotterwegen hoch nach Nerezisca in Angriff nehmen. Um 09.00 Uhr kommen wir dort an und sind froh, die ersten Höhenmeter noch in der kühleren Morgenzeit vernichtet zu haben. Nach einer Stärkung aus dem Fresspaket geht’s dann bei den üblichen 35 Grad Hitze weiter hoch auf den Berg. Um 11.00 Uhr erreichen wir unser Ziel auf 800 müM und werden mit einer grandiosen Aussicht über die umliegenden Inseln und das goldene Horn belohnt. Tief unter uns sehen wir den Hafen von Bol, unser Tagesziel. Wir sind super in der Zeit – noch..., denn um 14.00 Uhr müssen wir mit dem Boot ablegen.

Die Abfahrt sollte durch einen steilen Serpentinenweg erfolgen, doch es kam ganz anders. Lars, unser Reiseleiter, war ja erst zum zweiten Mal auf dieser Tour und wollte uns über eine Abkürzung zu dieser Serpentine führen. Doch es kam wie es kommen musste, wir haben uns im dichten Gebüsch verirrt. Nach etwa einer Stunde über Stock und Stein, Dornen und Tragepassagen gaben wir auf und schlugen uns wieder durch das Gebüsch den Berg hinauf zurück zur Strasse. Nun wollten wir (die Teilnehmenden) uns nicht mehr auf Versuche einlassen und haben den Berg auf der Asphaltstrasse umrundet, was uns etwa 15 zusätzliche Kilometer einbrachte. Auf der langen Abfahrt nach Bol, wurden wir dann durch unseren Ausflug in die Dornen entsprechend mit diversen Plattfüssen belohnt. Das Schiff erreichten wir dadurch nicht mehr rechtzeitig, was den Kapitän erboste und Lars eine weitere Standpauke einbrachte.

Das Abenteuer endete dennoch glücklich und ohne grösseren Schaden, und wir konnten die lange Überfahrt nach Korcula, etwas verspätet allerdings, in Angriff nehmen. Leider hatte uns die Irrfahrt am Berg den Besuch des Goldenen Horn gekostet. Als Entschädigung gab es dann einen abendlichen Rundgang mit einem feinen Eis im schönen Korcula, wo wir auch übernachteten.
Korcula

Di, 26. Mai 2009

Während dem Frühstück machen wir die kurze Überfahrt nach Orebic auf der Halbinsel Peljesac. Den ersten Teil der morgendlichen Bikestrecke (26 km / 300 hm) bewältigen wir mit den Trekkingbikern zusammen auf Asphaltstrassen, bevor es dann über die Schotterwege durch die steilen Rebberge nach Potomje geht. In Potomje treffen wir dann wieder alle zusammen, und es geht zu einer Weinverköstigung. Da es erstens zu früh und zweitens zu heiss für eine Degustation ist, entscheiden Alex und ich uns für die sofortige Weiterfahrt. Alleine machen wir uns auf den restlichen Teil der Strecke und erreichen das Schiff im Hafen von Trstenik lange vor den Andern. Am nahegelegenen Strand geniessen wir ein ausgiebiges Bad im kühlenden Nass. Auf dem Weg zurück zum Schiff wollen wir uns ein Eis genehmigen. Doch der Besitzer des Restaurants findet, dass er keine tropfenden Gäste bedienen möchte. Leider sind die anderen Eisdielen um diese Zeit geschlossen, und so kehren wir etwas ernüchtert von der viel gepriesenen Gastfreundschaft wieder aufs Schiff zurück und trinken uns mit kühlen Radlern ins Elend.

Küste von Peljesac Bei der Überfahrt nach Pomena auf Mljet geniessen wir wieder eines der feinen Gerichte unseres Kochs Vicko. Den Nachmittag haben wir im Nationalpark von Mljet zur freien Verfügung. Wir fahren eine kurze Strecke (24 km – 100 hm) am grossen Salzsee entlang, am Kloster vorbei zu einer Badebucht und wieder zurück. Beim Abendessen im Hafen von Pomena präsentiert sich uns der schönste aller Sonnenuntergänge und, wir verbringen die Nacht hier im Hafen. Leider wird die Nachtruhe durch eines der vielen Partyboote empfindlich gestört.

 

Mi, 27. Mai 2009

Während des Frühstücks setzen wir wieder nach Korcula über, wo die „nächste Königsetappe“ bevorsteht: (70 km / 1200 hm) von Korcula nach Vela Luka. Leider haben wir uns von den Schilderungen von Lars so verunsichern lassen, dass wir beschliessen, die heutige Etappe vollständig mit den Trekkingbikern über Asphaltstrassen zu bestreiten. Wir lassen also die Zusatzschlaufen auf den Schotterwegen aus. Den grösseren Teil der Strecke bringen wir bis zum Mittagsstopp in Brna bereits hinter uns. Nach dem Verzehr des Lunchpakets haben wir genügend Zeit, ausgiebig im Meer zu schwimmen und uns abzukühlen, den Rest besorgt der starke Wind.

Der zweite Teil der heutigen Strecke ist weniger anstrengend, hat aber dennoch einige Höhenmeter im Angebot. Die Kapetan Jure erwartet uns bereits wieder im Hafen von Vela Luka. Die Stadt selber hat aber nicht viel Sehenswertes zu bieten, und so gehen wir früh zu Bett und können uns gut von der langen Etappe erholen. Wenn da nicht das Gewitter gewesen wäre! Um zwei Uhr in der Früh werde ich von Blitz und Donner geweckt, und eine gewisse Hektik macht sich auf dem Schiff breit. Der Kapitän lässt die Seile lösen, da sich der Meeresspiegel um etwa einen Meter gesenkt hat. Diverse Teilnehmer beginnen, ihre Wäsche im Dunkeln von den Leinen zu nehmen, bevor der grosse Regenschauer einsetzt. Der Strom scheint bereits teilweise ausgefallen zu sein und schon bald prasseln riesige Tropfen vom Himmel. Es kühlt merklich ab, und nach etwa einer halben Stunde ist der Spuk wieder vorbei.
Gallionsfigur Kapetan Jure

Do, 28. Mai 2009

Altstadt von Hvar
Der Kapitän entscheidet sich, die Überfahrt nach Hvar trotz starkem Wind und Seegang durchzuführen, da der Hafen von Hvar geschützter ist. Kurz nach dem Start beginnt Nicola, das Frühstück aufzutragen. Die Situation wird wohl doch etwas unterschätzt, und bald gehen die ersten Tassen und Teller zu Bruch. Nicola verstaut in aller Eile alles, was er noch retten kann, wieder in die Schränke. Die ersten Gäste müssen sich übergeben, Andere haben mit Panikattacken zu kämpfen, als sich das Schiff gefährlich neigt und kräftig durchgeschüttelt wird. Als wir endlich in den Windschatten der Insel Hvar gelangen, wird es ruhiger auf dem Schiff, und wir können mit dem Frühstück beginnen.

In Hvar starten wir den morgendlichen Teil (20 km / 300 hm) der heutigen Etappe über einen Hügel. Auf der Passhöhe gibt es wieder einen Stopp mit einer defekten Kaffeemaschine! Langsam wächst der Verdacht, dass es nicht am Strom, sondern am mangelnden Engagement der Restaurantbetreiber liegt. Kapetan Jure beim Anlegen in Stari GradAuf einem rasanten Downhill fahren wir nach Stari Grad und treffen zum ersten Mal vor der Kapetan Jure im Hafen ein. Doch bald legt das Schiff an, und das Mittagessen kann wie gewohnt stattfinden.

Am Nachmittag fahren wir auf die andere Seite der Insel nach Jelsa (25 km / keine nennenswerten hm) und geniessen dort ein ausgezeichnetes Eis. Lars versucht, seinen Fehler von Brac mit einem Stück Torte für alle wieder gut zu machen. Zurück in Stari Grad haben in der Zwischenzeit viele weitere Boote im Hafen angemacht. Nächtliche Lärmemissionen sind wieder zu befürchten. Und tatsächlich, ohne Ermahnungen von Drazen kehrt keine Ruhe ein.

Lars beim Reinigen der Räder

Fr, 29. Mai 2009

Während der Überfahrt nach Maslinica auf der Insel Solta gibt es Frühstück – diesmal ohne nennenswerte Unterbrechungen. Doch das Glück ist uns leider nicht mehr hold, und es kommt zum einzigen Unfall während dieser Reise. Der Australier Allan hält sich am Türrahmen fest und die zuknallende Türe quetscht ihm den Daumen ab. Das Schiff ändert den Kurs. Wir lassen Solta aus und fahren direkt zurück nach Trogir. Allan wird zum Nähen und Röntgen der Hand ins Spital nach Split gefahren.

Vom Hafen aus starten wir dann unsere letzte kurze Abschieds-Biketour (20 km / ohne hm dafür aber mit kräftigem Gegenwind) und geniessen anschliessend den Nachmittag mit Bummeln und Kaffee und Kuchen in der Altstadt von Trogir.

Am Abend findet das legendäre Käptn’s-Dinner statt. Wir verbringen unsere letzte Nacht auf dem Schiff im Hafen von Trogir, wo alles begann.

 

Sa, 30. Mai 2009

Nach dem Frühstück kommt das grosse Abschied nehmen. Es war wirklich eine super tolle Woche mit insgesamt 323 km und über 4000 hm bei immer strahlend blauem Himmel und Temperaturen von zum Teil weit über 30 Grad.

Es wird sicher nicht unsere letzte Inselhüpfer Tour gewesen sein.

Um 09.00 Uhr fahren wir bereits wieder in Richtung Heimat via Zagreb, Ljubljana, Villach, Spittal und Sexten, wo wir im Gasthof Panorama übernachten.

So, 31. Mai 2009

Weiterfahrt um 10.00 Uhr nach Brixen, Innsbruck, Feldkirch, Hirzel und Ankunft zuhause um 17.00 Uhr. Beim Abspritzen der Räder entdecke ich auch bei meinem Lefty einen Plattfuss. Die dornigen Hügel von Brac lassen grüssen!
Dolomiten bei Sexten

Teilnehmende gemäss Adressliste

Andrea und Denis Rogic
Helma und Rupert Haberpeuntner
Bea Berger und Harald Burger
Annette Baumann
Stacey Spevak
Ann Sherry
Heidi und Wolfgang Gittel
Alex und Rolf Schwab
Zdena und Ernst Lehmann
Sebastian Rolle
Ulrich Liebing
Manfred Führer
Dirk Schneevoigt
Jürg Granwehr
Elfi und Horst Haslauer
Ronny Peters
Gabriele Grimm
Annett und Ralf Karolus

Reiseleiter

Lars Adam
Drazen Borcek
Alex und Rolf...


... die strahlenden Gipfelstürmer
© 2009, R.Schwab