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Quelle: © Tages-Anzeiger
Nick Joyce, 12 Mai 2010
Schrille Fergie im Hallenstadion
Gestern spielten die Black Eyed Peas im ausverkauften Hallenstadion. Ihre Sängerin – und unbestrittener Blickfang – Fergie stellte einmal mehr ihre schrille Stimmgewalt unter Beweis.
Kaum eine Band erhält zurzeit so viel Schelte wie die Black Eyed Peas. Von «Lobotomie-Pop» schreiben die einen Kritiker, von Werbejingles, die als Songs getarnt sind, die anderen.
Die Fachpresse würde mit dem kalifornischen Quintett vielleicht freundlicher umgehen, wäre Bandchef Will.I.Am nicht ein kluger Kopf, der sich in Interviews triftige Gedanken zur Popkultur im 21. Jahrhundert macht, dabei aber just jenen Substanzmangel beklagt, den seine Gegner ihm vorwerfen. Gerade die Diskrepanz zwischen Will.I.Ams Nachdenklichkeit und dem Floskelhaften seiner Musik macht die Black Eyed Peas so irritierend.
Die Opulenz ihrer aktuellen Show, die gestern Dienstag in Zürich zu sehen war, vermochte diese Irritation nicht zu lindern. Dabei wurden für den zweistündigen Auftritt keine Kosten gescheut: Die Black Eyed Peas und ihre Tänzer huschten in futuristischen Glitzerkostümen über Bühne und Laufstege, Laser und Videoleinwände funkelten, und Mitrapper Taboo schwebte auf einem Motorrad über den ausverkauften Zuschauerraum.
Endlos wiederholter Refrain
Das Programm war mit abwechslungsreichen Einzeleinlagen gespickt: Die Sängerin – und der unbestrittene Blickfang – Fergie hatte mehrmals die Gelegenheit, ihre schrille Stimmgewalt unter Beweis zu stellen und auf ihre erfolgreiche Solokarriere hinzuweisen. Derweil profilierte sich Will.I.Am als eklektischer DJ und flinker Freestyle-Reimer. Zur Show gab es dann auch die vielen Hits, die diese Posse 2003 von einer wenig beachteten Rap-Crew zu einem internationalen Bestseller gemacht hatten, und deren Singles «Boom Boom Pow» und «I Gotta Feeling» zu den meistverkauften Downloads in der Geschichte der Musikindustrie gehören.
Für Will.I.Am ist der Massenappeal dieser Songs der Beweis ihrer Komplexität. Doch das Gegenteil trifft eher zu: Weil die Black Eyed Peas konsequent den tiefsten gemeinsamen Nenner suchen und ihre Stücke teilweise auf einen endlos wiederholten Refrain destillieren, ähnelt der Sog ihrer Musik dem eines Vakuums. Gegen eine Leere kann man an sich nicht viel haben, das will aber nicht heissen, dass man sie als grosse Kunst beklatschen muss.
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